"Eh, du Heulwurst, ich kann dir helfen!!"
Das hübsche Knackwürstchen weinte und schluchzte so sehr, dass es gar nicht merkte, dass ein kleines, verhutzeltes Trockenwürstchen neben ihr aufgetaucht war.
“Na, Knackwürstchen, wein’ dir nicht deine hübschen Äuglein aus. Deine Lieder und Tänze waren da schon unterhaltsamer. Möchtest du vielleicht, dass ich dir helfe?” krähte eine krächzende Stimme.
Knackwürstchen schluchzte so sehr, dass es gar nicht die winzige dürre Wurstgestalt mit einem riesigen, verknautschten, ehemals wohl blauen Hut neben sich bemerkte.
“Eh, du Heulwurst! Ich kann dir helfen!” krähte es ungeduldig und stupste das Knackwürstchen an. Da endlich merkte es, dass es nicht mehr allein war.
*schluchz* “Wer bist denn du, du kleines Würstchen? Du kannst mir helfen? Hast du einen Schlüssel von der Tür und kannst mich herauslassen?”
“Nein, kann ich nicht, ich habe keinen Schlüssel.” *hähä*
“Hast du dann eine Leiter, damit ich aus dem Fenster klettern kann?”
“Nein, habe ich nicht. Ausserdem sind da Stangen vor, da kämest du nicht durch.”
“Wie kannst du mir denn dann helfen?” *schluchz*
“Ich kann den Senf zu Gold rühren.”
“So etwas kann keine Wurst. Das glaube ich dir nicht.”
*grumpf* “Kann ich aber! Glaub’s mir!”
“Angeber.” *schnüff*
“Kann ich doch… Was gibst du mir, wenn ich’s tu’?”
“Ich habe nicht viel, ich geb dir meinen Zipfelschmuck. Aber erst will ich sehen, dass es wirklich Gold ist.”
“Soll’s so sein und so tu ich’s.” erwiderte die kleine hutzlige Wurst und machte sich an die Arbeit. Sie fing an, mit ihrer rauen Stimme zu singen, rührte dabei im Senf und als die Morgensonne aufging, war in allen Senftöpfen Gold.
Das Knackwürstchen staunte nicht schlecht und besah sich und beschnüffelte ganz genau alle Senftöpfe, die nun mit goldenen Körnchen gefüllt waren.
“Alle Achtung, das ist ja wirklich Gold… Gut gemacht! Danke!”
Dann gab sie dem hutzligen Würstchen ihren schönen Zipfelschmuck.
Kurz danach erschien der Wurstkönig mit strenger Mine und sah nach dem Knackwürstchen, ob es auch fleissig war.
Er ging von Senftopf zu Senftopf und blickte kritisch hinein, rührte hier und schnupperte da: “Wunderbar, das hast du gut gemacht! Das ist wirklich Gold.”
“Ja, nicht? Das ist alles Gold. Dann kann ich ja jetzt nach Hause gehen.” Knackwürstchen wollte schnell durch die Tür schlüpfen, doch die Gardewürste versperrten ihr den Weg.
“Wo du’s so gut konntest… ich denke, dann kannst du’s wohl nochmal. Es hat dir ja bestimmt Spaß gemacht, so viel Senf hast du ja sonst bestimmt nicht zum Gold rühren zuhause.” sprach die Königswurst und liess das junge Knackwürstchen in eine größere Kammer mit noch mehr Senftöpfen bringen.
“Wenn du’s nicht schaffst, weißt du ja schon, was passiert. Ich lasse dir die Zipfel abschneiden und dich zu Wurstsalat verarbeiten. Wenn du’s aber schaffst, wirst du meine würstliche Gemahlin.”
Als sich die Tür hinter Knackwürstchen schloss, wusste sie nicht, welche der beiden Aussichten die bessere war. Der junge Wurstkönig sah eigentlich schon recht gut aus, aber sein Charakter schien ihr recht tyrannisch zu sein. Zu tyrannisch für ihren Geschmack und er schien das Gold zu lieben und nicht sie…
Sie setzte sich zwischen die Senftöpfe und seufzte. Dabei überlegte sie, wie das hutzelige Würstchen es in der letzen Nacht wohl angestellt hatte, das Senf zu Gold rühren.
Sie machte es so, wie es das hutzlige Dauerwürstchen machte: sie rührte links herum, rechts herum, in Achtform, aber der Senf blieb Senf. Sie sang dabei und versuchte die eigenartige Stimme des Würstchens nachzuahmen, aber der Senf wurde nicht zu Gold.
“Als ob das eine Mal nicht genug war, dieser gierige König will noch mehr Gold.” seufzte sie und setzte sich auf einen der Senftöpfe. Als sie so ratlos dasaß, kam wieder dieses hutzlige kleine Würstchen an und kicherte:
“Na, brauchst du wieder Hilfe?”
“Jaaa…. unter Umständen könnte ich schon Hilfe gebrauchen.” sagte Knackwürstchen vorsichtig.
“Was für Umstände denn? Kannst du denn noch wählerisch sein? Oder kannst du’s jetzt alleine?” *hähä*
“Unter den Umständen, dass der König danach genug hat und nicht noch einmal das selbe möchte.”
“Dafür kann ich nicht sorgen, ich bin auch nur eine Wurst. Aber wenn du morgen kein Gold in diesen Töpfen hast, befördert der König dich auf die Aufschnittplatte des Großen Gourmets.”
“Sieht wohl so aus.” seufzte das hübsche Knackwürstchen.
Die hutzlige Wurst gab nicht so leicht auf, denn auch es wollte mehr vom Knackwürstchen haben.
“Gib mir dein silbernes Wurstbändchen!” schlug es vor. “Dann mache ich den Senf zu Gold und du hast Ruhe und der König wird dich schon morgen frei lassen.”
“Frei lassen… pah. Heiraten will er mich.”
Das ist doch wunderbar, stell dir vor du bist dann eine Königin!”
“Ja, aber wenn er mich nur heiratet, damit er mich immer wieder Senf rühren lassen kann?”
“Das ist nicht mein Problem.”
Fortsetzung folgt…


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