Am nächsten Morgen besah die Königin sich ihr Brötchenlager und sie erschrak, denn sie sah, dass die Flecken rot wie Getschubp waren und nicht gelb wie Senf. Sie hoffte, dass diese neue magische Flüssigkeit genauso wie der Senf ihnen nun das so heiss ersehnte Prinzenwürstel brachten…
Sie sah traurig und etwas verwirrt auf das Brötchen und betete: “Großer Fleischwolf, gib mir ein kleines Würstchen… Soll es sein, wie du willst… weiss wie Brötchen, gelb sie Senf oder rot wie dieser Getschubp, aber gib mir eines. Bittebitte.”
Eine Woche verging und ein Tag, da wurde der Wurstkönigin ganz schwummrig, sie wurde so grün, dass der König alle Doktorwürste des Landes holen wollte, aber schon seine Leibdoktorwurst, die eiligst herbeikam, konnte ihn nach kurzen Momenten beruhigen: “Eure Wurstität, die Königin ist wurstig, sie bekommt ein Würstel. Ich gratuliere.”
Wieder eine Woche verging und die Wurstkönigin wurde prall, knackig und rosig wie ihn ihrer besten Zeit , es war eine Freude. Sie konnte sich wieder an ihrem Senf erfreuen, den sie so lange Zeit nur traurig beäugte.
Allerdings bemerkte der König eine eigenartige Änderung: Statt der gewohnten scharfen gelben Paste bevorzugte die Königin nun den süßen Senf. Sie konnte gar nicht genug davon bekommen. Sie lag lang in ihrem gemeinsamen Brötchenlager und bestellte sich einen Topf süßen Senf nach dem anderen.
Die Wochen vergingen und eines Tages wurde die Königin von einem ganz entzückenden kleinen Würstchen entbunden. Der König kam und besah sein Würstfolgerchen: Es hatte eine Pelle, so weiß wie eine frisch gebackene Brötchenkrume und auch ihr Brät war von einem strahlenden Weiß, wie frisch gefallener Schnee! Da beschloss er, das kleine Wurstprinzesschen Schneewürstchen zu nennen.
Als Schneewürstchen erst einige Wochen alt war, wurde ihre liebe Mutterwurst immer grauer und schrumpliger, sie siechte dahin, bis sie eines grauen Tages vom Großen Gourmet zum Festmahl geholt wurde. Der Wurstkönig war endlos traurig, erst recht, als seine Beraterwürste ihm antrugen, sich eine neue Gattin zu erwählen.
Der König wollte, dass Schneewürstchen nicht ohne eine Mutter aufwuchs, so heiratete er eine eitle, zähe und trockene Dauerwurstgräfin, die ihm eifrig versprach, eine gute Mutter für das kleine Wurstprinzesschen zu sein.
Es war ein drei Tage währendes, rauschendes Hochzeitsfest mit Gästen aus aller Würste Länder.
Bald danach musste der Wurstkönig mit Sorgen betrachten, wie die dürre neue Königin die glatte, pralle helle Pelle von Schneewürstchen mit Neid betrachtete und sie anfing, das kleine Würstchen, wenn der König nicht hinzusehen schien, mit scharfem Senf piesackte.
Er war würtend, aber ohnmächtig. Er wusste, dass Schneewürstchen nur süßen Senf mochte, doch die neue Königin bestand mit gehässigem Grinsen darauf, dass das Prinzesschen sich abhärten müsse. Sie liess keine Möglichkeit aus, dem lieben Schneewürstchen das Leben so hart wie möglich zu machen, damit sie auch so hart und knorrig würde wie ihre Stiefwurst. 
“Frau Königinwurst, es gibt keinen einzigen Zipfel, der schöner ist als du!” *seufz*
Die Königinwurst war aber nicht nur eitel, arrogant und neidisch, sondern auch eine böse Hexenwurst, was der Wurstkönig nicht wusste. Diese böse Hexenwurst hatte einen Zauberspiegel, in dem sie sich täglich lange bewunderte und den sie dabei auch immer fragte:
“Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die schönste Wurst im ganzen Land?”
Der Spiegel antwortete ihr immer brav:
“Frau Königinwurst, es gibt keinen einzigen Zipfel, der schöner ist als du!” *seufz*
Schwer fiel dem Spiegel das Loben schon, war die harte Wurstkönigin doch so schrumplig und sah aus, als ob sie irgendwo in einer verstaubten Ecke für Jahrzehnte vergessen wurde. Doch erstens wusste er nicht, wie groß das Land war (schließlich kam er ja nie aus dem Zimmer heraus) und andrerseits wurde er so geschaffen, dass er der Königin schmeichelt. So schaffte er es sch immer wieder irgendwie.
Schneewürstchen wuchs aber zu einem wunderschönen, leckeren, prallen Weißwürstchen heran, das jeden Tag fröhlich juchzend im Schlossgarten mit ihren Würstchenfreundinnen spielte. Die ausgetrocknete Wurstkönigin ärgerte sich sehr darüber.
Eines Tages hatte der Spiegel von der zähen Königinwurst genug, als sie ihn dreimal hintereinander fragte, wer denn die aller-allerschönste Wurst im ganzen Lande sei, konnte er sich nicht mehr zurückhalten und murmelte:
“Frau Königinwurst, ihr seid die schönste Wurst im ganzen Land, aber Schneewürstchen ist die allerschönste Wurst im ganzen Land”
“Was? Was hast du da gewurschtelt?” fragte sie harsch.
“Ihr seid die …emmm……jaaa…schöönste… Wurst im ganzen Land, Frau Königin! *ächz* Aber… Schneewürstchenisvielschöneralsdualtestrockenesding.” murmelte er möglichst schnell und undeutlich.
Die Königin konnte ihn aber verstehen und war so entsetzt, dass sie ranzig wurde.
Sie brüllte sie eine Weile wie angestochen herum und pfefferte ihren gefürchteten Chilisenf durch die Gegend, bis all ihre Hofwürstinnen mit wunden roten Augen herumheulten und alle ihre hübschen Zipfelchen mit dem höllisch scharfen Zeug verklebt warten.
Dann sauste sie wutschnaubend zum König und keifte ihn vor dem versammelten Wurstrat an: “Dieses unmögliche Würstchen muss weg! Ich verbanne Schneewürstchen hiermit! Einfürallemal!!! Und der Rat stimmt natürlich zu!”
Ihr drohender Blick liess nicht den geringsten Wiederstand zu.
Fortsetzung folgt…


Die Wurstakademie
Pommeswelt
Essen kommen!
Das Thüringer Bratwurstmuseum
Der Wurstblog