Die Cocktails besahen sich ihre ratzeputz geleerten Senftöpfchen und grummelten so heftig wie ihre Mägen.
“Ich geh jetzt ins Brötchen” grummelte Zepfel, der immer der hungrigste aller Cocktails war und ging in Richtung Schlafzimmer.
“Wer hat an meinem Gürkchen geknautscht? fragte er, als er es auf dem Boden liegen sah. “Und wer mein Zwiebelringlein zerdrückt? sie lag auf allen Brötchen und schnarchte herzhaft

Sie lag auf allen Brötchen und schnarchte herzhaft

Als er vor seinem Brötchen stand, konnte er es nicht glauben:

Eine für ihn riesige schneeweisse Wurst lag quer über allen  inzwischen recht zerkrümelten Brötchen und schnarchte herzhaft.
Alle Cocktails kamen schell herbei und besahen sich den ungebetenen Gast:
“Die ist aber groß!”
“Sie hat unsern ganzen Senf aufgefuttert!”
“Aber eine schöne weiße Farbe hat sie…”
“Ich find sie lieb, wie sie so daliegt.”

Als sie so dastanden und nicht wussten, was sie tun sollten, erwachte Schneewürstchen.
“Oh, wer seid ihr denn? Aua!” Sie sprang auf und stieß sich ihren Kopf an der Zimmerdecke.
“Wir sind die sieben Cocktails und du liegst gerade auf unseren Brötchen…” fing Zipfel an. Zapfel gähnte heftig, denn er wollte nur noch in sein Brötchen.

Schneewürstchen erzählte den müden Würsteln ihre herzzerreissende Geschichte.

“Au weia!” befand Züpfel. “Das können wir nicht so hinnehmen.”
“Lassen wir sie doch erst einmal einige Tage hier bleiben, bis uns etwas einfällt.” beschlossen sie nach einer längeren Diskussion.

Schneewürstchen kümmerte sich um das Haus so gut sie konnte, aber alles war so klein für sie und sie musste ja noch nie einen Haushalt führen. Wenn sie vorne fegte, schmiss sie hinten das Regal um, wenn sie im Senftopf rührte, konnte sie bei einer schnellen Bewegung die ganze Küche zu Krümeln hauen. Sie seufzte.

Die Cocktails kamen nun am Abend wieder nach Hause. Ob ihr Heim wieder so gemütlich war wie gestern, als sie es verließen?

Zipfel öffnete die Tür.

“Hallo meine süßen Zipfelchen, ich hab etwas aufgeräumt!” zwitscherte Schneewürstchen. Sie standen da und konnten es nicht glauben… statt der sieben kleinen Brötchen stand dort ein großes, gemütliches Fladenbrot, lecker ausgepolstert mit flauschigen Gurken und gemütlichen Zwiebeln. Die Küche sah völlig anders aus und das Regal…. Doch nun wollten sie ihren Senf.

Sie gingen zum Tisch und dort stand ein Senffass, groß und rund. Es hatte unten sieben kleine Öffnungen, durch die der Senf für die kleinen Cocktails herauskam und oben war ein großer Löffel für Schneewürstchen.

Gemeinsam leerten sie das Senffass. Dann legten sie sich gemeinsam zur Ruhe in das große Fladenbrot und schliefen fest die ganze Nacht durch.

So ging es einige Tage, dann flüsterte Zapfel dem Zipfel zu ” Ich find sie ja ganz nett, die Schneewürstchen, aber… ich will mein kleines Brötchen zurück, der Zöpfel klaut mir immer die Gurke und dann lieg ich bloß und mir wird kalt.”

Züpfel raunte gleich dazu: “Ja, und sie isst immer so viel Senf. Bestimmt ist sie bald so groß, dass sie das Dach absprengt.”
“Ausserdem schnarcht sie wie eine Meerrettichmühle.”

Da überlegten sie, wie sie die Situation zu einem guten Ende bringen könnten. Sie wollten nichts überstürzen, denn irgendwie hatten sie diese Weißwurst lieb gewonnen.

Fernab im Wurstschloss ging die eitle Königinwurst wieder zu ihrem Spiegel und nervte ihn an diesem Tag schon zum siebten Mal:

“Spieglein, Spieglein an der Wand, bin ich immernoch die schönste Würstin im ganzen Land?”
“Jaa…Frau Königinwurst, du bist die schönste Würstin im ganzen Land, aber im Wald, hinter den sieben Kartoffelsalatbergen, bei den sieben Cocktails, da ist Schneewürstchen, die ist immernoch vielschöner alsduolletrockenedürre.”

“OoOoOoohhuuUUuh!!!” röhrte die böse Wurst und wollte zuerst den Spiegel zerdeppern, besann sich aber (schliesslich wollte sie ja doch später noch weiter von ihm bewundert werden) und rannte durch das Schloss. “Dieses elende Würstchen ist immer noch am Leben!”

Sie rannte zur Jagdwurst: “Du Zipfel hast mich betrogen! Diese Wurst ist noch am Leben!” Sie schmiss ihm ein ganzes Senffass mit ihrem Chilisenf an den Kopf und dampfte zurück in ihr Gemach.

Was könnte sie nur tun? Sie ging an ihre Zauberkiste und zog sich sich eine magische Pelle heraus, mit der sie wie eine Kabanossi wirken würde, so dass Schneewürstchen sie nicht erkennen könne.

Dann griff sie sich ein Töpfchen Zaubersenf, den sie mit Räucherfeuerfunken würzte. Den wollte sie Schneewürstchen andrehen, damit sie der Große Gourmet hole. Sie ging in den Wald und fand auch den Weg zum Häuschen der Cocktails.

Angekommen, machte sie ein Gejammer, das auch den taubsten Wurstzipfel aufwecken würde.
“Ahuh, ai, aioo, mein Zipfelchen tut mir so weh! Ich arme, alte Kabanossi. Ich bin ja schon soo weit gelaufen…”

“Was ist den mit dir los, du armes Würstchen?” Schneewürstchen zwängte ihr gnubbeliges Köpfchen durch das winzige Fensterchen, aber irgendetwas kam ihr nicht ganz richtig vor.

“Oh, du hübsches Würstchen, hilf mir. Ich bin eine arme, alte Kabanossi…*jammer* Ich werde dich auch belohnen für deine barmwürstige Tat.”

Schneewürstchen kam heraus und verband der alten Kabanossi den wund gelaufenen Zipfel. “Dank dir, mein Würstchen. Hier, nimm meinen süßen Senf, der wird dich laben. Es ist ein ganz besonders süßer Senf, er wird dir schmecken.”

“Danke! Davon werd ich gleich probieren, wenn ich das Zimmer aufgeräumt habe.”

“Bist du denn nicht neugierig, wie dieser wunderbare Senf schmeckt? Probier doch gleich einmal!”

“Neinnein, ich hab’ gerade schon genascht und wenn es ein besonderer Senf ist, dann mach ich’s mir gleich damit gemütlich. Dank dir, alte Wurst.”

Fortsetzung folgt…


Gib deinen Senf dazu ¬

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