Ich bin geboren und aufgewachsen in Berlin, genauer West-Berlin. Deswegen war ein Jägerschnitzel für mich immer ein paniertes Schweineschnitzel mit Pilzsauce. Ich hatte noch nie von den im “Osten” üblichen Jägerschnitzeln aus Jagdwurst gehört.
Eine kleine Sache am Rande: In “meinem” Berlin gab es für “uns” vor dem Mauerfall Ossis, Wessis und Berliner. Ein Berliner war kein Wessi, *energischwerd* neinnn!! Wessis waren grundsätzlich die aus dem immer irgenwie fernen Westen und Ossis gab es hauptsächlich in der Theorie, bei Besuchen oder in der Verwandtschaft. Aber als die Mauer dann fiel, änderte sich vieles.![]()
Nicht nur, dass wir, die Berliner nun auf einmal Wessis waren, ich hopste sogar auf der Mauer mit anderen herum (Ich sah dabei sogar einen Tisch auf der Mauer, mit Stühlen und Kerze!!!). Ja ich weiß, dass es auch “Ossi-Berliner” gab, aber ich erzähle ja von meiner Seite.
Einige Jahre, nachdem die Mauer gefallen war, hatte ich einige Freunde und Bekannte aus der ehemaligen DDR. Da bekam ich interessante Einblicke in die Unterschiede von Dingen, wo man es nicht vermutet hatte:
Eines Tages waren mein Mann und ich beruflich im Erzgebirge und hatten noch etwas Zeit, einen gerade am Tag vorher dort kennen gelernten Bekannten zu besuchen, der diese wunderbaren Holzfigürchen drechselte (und immer noch tut). Er war stolz auf die Tradition und seinen Familienbetrieb in Olbernhau und fuhr uns begeistert den ganzen Tag durch die nähere Umgebung.
Der Besuch im Museum von Seiffen dauerte viel zu lang (wir mussten uns aber auch jede Ecke ansehen) und er lud uns zum Mittagessen ein, “es gibt Jägerschnitzel”. Seine Familie wartete schon mit gezücktem Besteck und wir wurden freundlichst in die Runde der hungrigen Mäuler aufgenommen.
Als statt des erwarteten Schnitzels runde, knusprig braune Talerchen auf dem Teller lagen, staunte ich nicht schlecht
, doch ich überlegte nicht lang, denn wir waren hungrig nach der frischen guten Herbstluft und dem Herumfahren. Nach dem ersten Bissen war mir klar, dass es Jagdwurst war und woher der Name kam.
Ich mochte vorher noch nie Jagdwurst und immer, wenn sie mir, als ich klein war, als “Kinderwurst” präsentiert wurde, konnte ich nicht verstehen, warum Kinder SOWAS mögen sollten. Neeh, irgendwie gar nicht…![]()
Komischerweise schmeckten mir aber diese “Jägertalerchen” sehr gut, wohingegen ein “Wessi-Jägerschnitzel” mich selten hinter dem Ofen hervorrief. Erst später erfuhr ich, das diese Bezeichnung für panierte und gebratene Jagdwurst keineswegs eine Bezeichnung innerhalb der Familie war, sondern ein Kulturunterschied… von Ost und West.
Jedes Mal wenn wir jetzt Jägerschnitzel essen, denken wir an diesen wunderbaren Tag mit unseren neuen Freunden. Gerade heute wieder!![]()
Jägerschnitzel aus Jagdwurst sind in meinen Augen ein leckeres, schnell gemachtes Essen, speziell, wenn man die Wurst vom Fleischer seines Vertrauens verwendet.



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