So, nun ist es Zeit für ein weiteres würsterliches Märchen, denke ich. Diesmal wird es natürlich wieder gar grauslich, so dass du aufpassen musst, dass du es nur liest, wenn deine Nerven so stark wie dicke Wurstpellen sind.
Diesmal geht es um Gold, viel Gold… und ein Löffelchen Liebe obendrauf, aber erst nach einem ordentlichen Drama.
Es war einmal ein Knackwursterich, die hatte eine wunderschöne Tochterwurst, auf die er sehr stolz war.
Er war ein wahrer Angeber und konnte maßlos übertreiben, wenn er in Fahrt kam.
Als eines Tages eine hohe Beamtenwurst des Wurstkönigs im Dorfkrug übernachtete, unterhielten sich beide Würste bei einem Krug Wein.
Der Wein wurde weniger und die Stimmung stieg, da fing der Knackwursterich wieder einmal zu übertreiben, dass sich die Balken bogen. Er schmiss sich theatralisch in Pose und sagte stolz zur Beamtenwurst: “Meine Tochter… kann… Senf zu Gold rühren!” *hicks* Wenn dies die königliche Beamtenwurst nicht beeindruckte, dann fiel ihm bestimmt etwas noch Besseres ein.
Die Beamtenwurst zeigte sich aber beeindruckt und beglückwünschte den Knackwursterich für so eine Tochter und gab ihm noch einen Krug Wein aus. Ihm fiel gar nicht auf, dass der Knackwursterich nicht sehr wohlhabend schien, wo seine Tochter doch genügend Gold machen könnte, um sich selber einen Krug Wein leisten zu können.
Diese interessante Neuigkeit erzählte die Beamtenwurst ihrem jungen Wurstkönig, als sie wieder im Wustschloss war.
Dies gefiel dem Wurstkönig, denn er liebte Gold und er hätte gerne mehr davon, denn die Staatskassen waren leer.
“Bring mir diese talentierte Tochterwurst in mein würstliches Schloss, dann soll sie mir zeigen, dass sie Senf zu Gold rühren kann.”
Als die ahnungslose Tochterwurst ins Schloss gebracht wurde, ließ der Wurstkönig sie sogleich in eine Kammer führen, die voller Senftöpfe war.
“Hier, Knackwürstchen, hier ist Senf für dich.”
“Aha, und was soll ich damit?” wunderte sich das junge, hübsche Knackwürstchen.
“Bis morgen wirst du alles zu Senf gerührt haben.” Der Wurstkönig blickte sie streng an.
“Was soll ich??” das junge Knackwürstchen war verwirrt, denn sie wußte ja nichts von den wilden Geschichten, die ihr Vater über sie erzählt hatte.
“Du brauchst nicht so unschuldig tun, dein Vater hat mir dein Geheimnis erzählt. Du kannst all den Senf ganz nach Herzenslust zu Gold rühren.” Die Königswurst zwinkerte ihr zuerst zu und blickte sie dann streng an. “Geh, und rühre! Wenn du morgen nicht alles zu Gold gerührt hast, werde ich dir die Zipfel abschneiden und dich zu Aufschnitt verarbeiten lassen.”
Das Knackwürstchen fragte gar nicht, was geschähe, wenn sie es tun könnte, denn sie wusste, dass sie’s nicht konnte.
Dann sperrte er das arme Knackwürstchen in die Kammer.
Knackwürstchen seufzte, besah sich die Senftöpfe, roch an dem einen oder anderen, nahm das eine oder andere Löffelchen und rührte hier und rührte da, doch der Senf blieb Senf und wurde nicht zu Gold.
“Ob der Senf wie Gold aussehen kann, wenn das Licht drauf fällt?” dachte die arme kleine Knackwurst. Sie überlegte, rührte, leckte auch einmal am einen oder anderen Senftopf und war ratlos.
“Irgendwie muss ichs schaffen, wenn ich nicht auf der Aufschnittplatte des Großen Gourmet landen will!” beschloss sie.
Dann mischte sie die Senfsorten und dachte sich Beschwörungsformeln aus: ” Senf, Senf sei mir so hold und verwandle dich in ‘nen Topf voll Gold!”
Als dies nicht funktionierte, las sie die Senfnamen rückwärts beim Rühren: “Fnesnojid, Fnesnewöl, Fnesreßüs!” Ihr war, als ob der eine Senf schon etwas goldiger aussah als am Anfang und so versuchte sie es eine Weile, aber es wollte einfach nicht mehr Gold werden.
Sie versuchte einen Senf-zu-Gold-Tanz zwischen den Senftöpfen und hopste singend um die Senftöpfe herum, bis ihr das Zipfelchen schmerzte und sie heiser war.
Dann schwang sie die Senflöffel, einen nach dem anderen, wie Zauberstäbe und dachte sich weitere senfige Sprüche aus.
Wenn sie das längste Wort, das ihr im Zusammenhang mit Senf einfiel findet, dann wird der Senf vielleicht endlich golden? Sie versucht’s: “Senfaromazutatenliste, Senfrezeptgeheimnis, Senfkeramiktopfdeckelgriff, Senftopflöffelgriffdekorationsmusterschnörkelchen…” der Senf blieb von ihren linguistischen Kapriolen ganz senftypisch unbeeindruckt und dachte wohl nicht einmal an eine Umwandlung.
Der Abend war schon lange Nacht geworden und Knackwürstchen rührte, schimpfte dann äußerst einfallsreich und schließlich jammerte sie nur noch.
Es hatte jeden Topf auf alle erdenklichen Weisen gerührt und noch immer war kein Gold in den Töpfen, so goldgelb der Senf auch sein mochte. Ihr Kopf schmerzte und ihr Zipfelchen war wund vom Herumhopsen. Ausserdem bemerkte sie, wie eine ständig wachsende Abneigung gegen Senf in ihr aufstieg.
Als der Mond durch das Fenster schien, bekam das Knackwürstchen die Idee, den Mondschein in die Senftöpfe zu rühren, denn vielleicht würde es so zu Gold oder wenigstens zu Silber. Es sprang auf und rührte, was das Zeug hielt. Doch so viel es auch rührte, der Senf blieb Senf.
Sie versuchte dann den Senf in einem Topf zu hypnotisieren, indem sie ihn möglichst wild anstarrte und pausenlos dabei raunte: “Du verwandelst dich jetzt in Gold, du bist Gold, du bist jetzt Gold…”
Als dies nicht funktionierte, bedrohte sie einen Topf mit süßem Senf: “Wenn du jetzt nicht gleich zu Gold wirst, werde ich dich mit dem scharfen Senf zusammen kippen!” Leider ließ sich der Senf nicht beeindrucken davon und auch die Mischung war recht weit entfernt davon, zu Gold zu werden oder wenigstens ihren Goldgehalt zu erhöhen. Es müssen ja nicht gleich 24 Karat sein…
Dann, kurz vor Sonnenaufgang, verzweifelte das erschöpfte Knackwürstchen, sah sich schon als Aufschnitt beim Großen Gourmet auf dem Buffet liegen und fing an, bitterlich zu weinen.
Fortsetzung folgt in der Blogwurst…![]()



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