Die Grützwürste sind ein deftiger Familienzweig der Kochwürste, die in ihrem Bauch mit kräftig Piment, Majoran und Pfeffer gewürztes Fleisch, Schwarten, Innereien, Speck oder auch oft Blut Grütze aus Hafer, Buchweizen oder anderen Getreidearten und auch mal altes Brot enthält. Viele der Grützwürstler mögen auch ein einen Aufenthalt in der Räucherkammer.
Grützwürste siedeln hauptsächlich in den nordeuropäischen Küchevon Schottland über Norddeutschland bis wohl nachPolen, werden meist gebraten oder gekocht und sind mal eher fest und mal breiartig.
Ich bin in Berlin aufgewachsen und dort gibt es heiße Blut- und Leberwurst mit Sauerkraut und Kartoffeln. Erst während meiner wurstologischen Forschungen erfuhr ich, dass diese Berliner Spezialitäten auch Grütze enthalten. Ich hatte nie die Grütze bemerkt… Nach dem Herausquetschen aus der Pelle waren sie eine richtige Pampe, aber lecker.
Aber zurück zur Familie der Grützwürstlinge.
Die Pinkel hatte ich ja schon erwähnt. Wegen des für alle Nicht-Bremer eigenwürdigen Namens wohl oft kritisch beäugt, ist kurz gesagt: Sie ist eine anständige Grützwurst, die mit Hafer im Bauch nach einigen Wellnessstündchen in der Räucherkammer mit Grünkohl verspeist wird.
Der bloß nicht für Nordwestdeutsche gewöhnungsbedürftige Name kommt wahrscheinlich von der Eigenschaft des Fettröpfelns beim geräuchert werden… da sieht man mal, wie mann in einer guten Sauna Fett verlieren kann. ![]()
Vielleicht kommt der komische Name ja auch vom Wort “pink”, das im Ostfriesischen nicht “rosa”, sondern “kleiner Finger” bedeutet (im Englischen gibts den Ausdruck “pinkie” für kleinen Finger) und im plattdeutschen “Mastdarm” heisst. Sucht euch das aus, was euch am besten gefällt.
Andere lokale Namen für die Grützwurst sind Graupenwurst, Lose Wurst oder Pottwurst, Wurstebrei, Knipp, Hackgrütze, in Polen nennt sie sich Kaszanka, im hannoverschen Raum Calenberger Pfannenschlag, im plattdeutschen Raum hört sie auf Göttwust oder Grüttwust. Ein recht bekanntes Familienmitglied ist der schottische Haggis aus Schafinnereien und Hafergrütze.
In einigen Regionen Deutschlands trägt eine Mahlzeit mit heißer Grützwurst den charmanten Namen “Tote Oma” oder “Verkehrsunfall”… wohl weil man nicht erkennen kann, was es nun isst und man es lieber nicht wissen möchte.![]()
Oft wird Grützwust mit Himmel und Erde verspeist, das ist eine Mischung aus Kartoffelbrei mit Apfelmus. Davon durfte ich einmal eine echte kölsche Version davon probieren, das war wirklich lecker. ![]()
Grützwurst essen kann ein richtiges gesellschaftliches Ereignis sein. Leute gehen auf die Grünkohljagd, halten anschließend vielleicht sogar Reden, stoßen mit Hochprozentigem an und mampfen dann tellerweise Grützwurst mit Grünkohl oder anderen winterlichen Beilagen.![]()
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So eine Mahlzeit mit Grützwurst ist recht einfach gemacht, preiswert und sehr kalorienreich. Das macht es zum idealen Nahrungsmittel für Bauern, Landarbeiter und andere hart körperlich arbeitende Leute, die nach einem Tag im norddeutschen Schietwetterherbst abgearbeitet und ausgehungert nach Hause kommen.
Es ist ein richtiger Kalorien- und Fettangriff auf den modernen Lebensstil, der bei den Meisten fern ab vom täglichen Rackern auf dem Feld stattfindet. Deswegen wird die meist sehr fette Grützwurst als ungesund gesehen, aber ich bin der Meinung: die Menge macht’s, wie bei allem. ![]()

Aufgeschnappt
Die Rackerchen

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Das Thüringer Bratwurstmuseum
Der Wurstblog
Hallo Monika,
großartig, wie du die Grützwurst beschreiben hast. Wir verschicken zur Zeit sehr viele Pinkel, so das wir etwas “missionarisch” tätig sind.
Das Wort “Pinkel” ist tatsächlich eine Ableitung vom Mastdarm. Es gibt aber auch Erzählungen die anders lauten: Früher war die Pinkel sehr fett. Die Wurst wurde bei der Hausschlachtung zum trocknen unter die Decke im Viehstall /Bauerndiele gehängt. Beim Trocknen verliert die Wurst immer Fett und tropfte ständig. Die Bauern sagte dann: “Dei Wus pinkelt…!”
Andere erzählen, wenn die gekochte Wurst auf dem Tisch liegt und man mit der Gabel in die Grützwurst sticht, dann “pinkelt die Wurst…” (..einen Bogen mit Fett…!)
Danke, Ludger
EIn Lob von einem Wurstfachmann wie dir geht ja runter wie Öl
Deine Geschichte mit der angestochenen pinkelden Wurst gefällt mir am besten
Sind die Pinkel denn jetzt weniger fett??
Mager sind sie ja wohl immer noch nicht. Dazu konnte ich nichts finden.
So fett wie früher ist sie nicht mehr. Sie sit immer noch “gehaltvoll” – aber gut verträglich. (vor allem mit einem “Korn” nach dem Essen :-) )